Die Wolke
Ein Regenguss in digitalen Zeiten
Daniel Schaup
5/19/20261 min read


Über der Elbe taucht eine schwarze Wolke auf. Von Westen schwebt sie heran. Ich spaziere weiter, betrachte den Fluss, wie er sich allmählich verfärbt je mehr sich die Wolke vor die Sonne schiebt: sein helles Braun verdunkelt sich, wird grau und schließlich gleitet ein fast schwarzer Spiegel mit kleinen Wellen an mir vorbei. In die Wellen fallen die ersten Tropfen. Dann höre ich den Regen, wie er auf mich niedergeht. Die Tropfen zerplatzen an meinem Trenchcoat.
Einige Meter vor mir schaut ein junges Pärchen nicht hinauf zum Himmel, zur schwarzen Wolke, aus der die Tropfen niedergehen; kopfschüttelnd betrachten sie die Bildschirme ihrer Smartphones. Der Blick des Mannes wandert hinüber zum Bildschirm seiner Freundin, der Blick der Frau hinüber zu dem ihres Freundes. Gemeinsames Kopfschütteln folgt.
Langsam gehe ich vorüber, die Regentropfen rinnen mir von der Stirn über die Wangen. Ich wage einen Blick hinüber zu dem im Regen stehenden Paar: Sie betrachten ihre Wetter-App und hören nicht auf, ihre Köpfe zu schütteln.
Ich gehe weiter. Meinen Schirm lasse ich in der Tasche.