Ein Roadtrip durch die Philosophie. Vorbei an „alles ist möglich“ und „alles ist verloren“

Willkommen zu einem kurzen Roadtrip durch die Philosophiegeschichte! Stellen Sie sich vor, wir fahren auf einer Landstraße durch die Welt der philosophischen Ideen; auf der einen Seite stehen die Optimisten, die uns zuwinken, und auf der anderen Seite die Pessimisten, die uns mürrisch anschauen.

Daniel Schaup

11/11/2024

Beginnen wir unsere Fahrt mit den Optimisten. Hier haben wir die Philosophen der Aufklärung. Diese Jungs waren die Cheerleader der Vernunft. Sie glaubten fest daran, dass die Menschheit, wenn sie nur klug genug ist, alles erreichen kann: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und vielleicht sogar das perfekte Croissant. Leibniz, unser persönlicher Mr. Sunshine, behauptete sogar, dass wir in der „besten aller möglichen Welten“ leben. Nun, wenn das mal keine große Zuversicht ist! Ich meine, wir haben immer noch Staus, nervige Nachbarn und Steuererklärungen, aber Leibniz würde sagen, wir haben aber auch Autos und nicht Kutschen, können uns eine Wohnung leisten und verdienen soviel Geld, dass wir Steuern zahlen müssen.

Auf der optimistischen Straßenseite entdecken wir auch den deutschen Idealismus, speziell Hegel. Hegel war der Meinung, dass die Geschichte im Grunde wie ein großes Orchester ist, das langsam, aber sicher die Sinfonie der Freiheit und Vernunft spielt. Klingt toll, oder? Neben Hegel steht Bentham, der in Amerika philosophierte und sein Utilitarismus meint: Je mehr Glück, desto besser – mehr Kuchen für alle! Selbst der Stoizismus gehört zur optimistischen Gang, auch wenn sie alle irgendwie aussehen, als wären sie auf Espresso-Entzug. Die Stoiker sagen uns: „Entspann dich, egal was passiert, du kannst immer noch Herr deiner Reaktionen sein.“ Keine schlechte Haltung, wenn die Welt mal wieder ein bisschen chaotisch ist.

Bleiben noch die Transzendentalisten wie Emerson und Thoreau. Diese Naturfreunde sahen das Göttliche in jedem Grashalm und fanden, dass wir uns in der Natur und in uns selbst die besten Antworten auf die großen Fragen des Lebens holen können. Für sie ist das Universum wie eine endlose Umarmung – na ja, zumindest wenn man sich von den Stechmücken fernhält.

Jetzt wären wir beinahe an den Pragmatisten vorbeigefahren, aber sie sind auch zu beschäftigt. Die Pragmatisten sagen: „Wissen ist wichtig, aber nur wenn es auch wirklich nützlich ist!“ Diese Philosophie ist der praktische Schraubenzieher unter den Denkrichtungen: keine Theorie um der Theorie willen, sondern weil sie uns hilft, ein Problem zu lösen – ob das jetzt das Reparieren eines Autos ist oder die Suche nach dem persönlichen Glück, packen wir es an und schauen, ob es funktioniert.

Jetzt müssen wir die Scheinwerfer anstellen und am besten im Radio ABBA einstellen, denn wir biegen rechts ab, hinüber zur dunkleren Seite der Landstraße – hier stehen die Pessimisten. Arthur Schopenhauer steht direkt am Rand und wiederholt permanent sein Mantra: „Ihr könnt es versuchen, aber das Leben bleibt eine Tretmühle voller Leiden!“ Dieser Kerl war kein Fan von rosaroten Sonnenbrillen. Er sah das Leben als Mühsal, bei der das Beste, was wir tun können, ist, uns auf der Couch zu verkriechen und eine Runde mitleidig zu seufzen.

Da schielt Sartre um die Ecke mit seinem Kumpel Camus, unsere Existentialisten im schwarzen Rollkragen-Pullover. Das sind nicht gerade die Art von Menschen, die wir zu unserer Party einladen würden, wenn es nicht gerade eine Trauerfeier ist. Sie würden vermutlich vor unserer Bowleschüssel stehen und darüber philosophieren, wie absurd es ist, dass wir alle hier sind, Cocktailwürstchen essen und so tun, als hätte unser Leben Bedeutung. Camus hätte uns vielleicht vorgeschlagen, das Leben wie Sisyphos zu sehen – der Typ mit dem Felsen, der ihn immer wieder den Berg hinaufrollt. Aber anstatt zu verzweifeln, sollten wir, so sagt Camus, diesen Felsen irgendwie lieben lernen. Das Leben mag sinnlos sein, aber wir können es trotzdem genießen – zumindest die Würstchen. Schmeckt irgendwie fade. Wo ist da die Lebensfreude?

Selbst wenn wir sie einladen würden, würden sie nicht zu unserer Party kommen, die Nihilisten, denn sie verkörpern den Pessimismus in seiner reinen, destillierten Form. Nietzsche würde vielleicht einen theatralischen Auftritt hinlegen, indem er den Tisch umwirft und schreit: „Alles ist bedeutungslos!“

An Adorno und seiner Kritischen Theorie fahren wir schnell vorbei, denn selbst wenn er etwas sagt, verstehen wir ihn nicht und er würde sowieso nicht mit uns ABBA-Fans reden, sind wir doch in den Klauen der Kulturindustrie gefangen.

Hinter einem Baum hat sich ein besonderer Typ versteckt – Thomas Hobbes, der glaubt, dass der Mensch dem Menschen ein Wolf ist. Für ihn sind alle Menschen egoistische Bestien, was wie ich finde den Wolf eindeutig beleidigt. Ohne starke Regierung neigt der Mensch dazu, sich gegenseitig das letzte Stück Kuchen wegzunehmen, als sich nett zu verhalten. Er war der Meinung, dass wir einen starken Staat brauchen, um sicherzustellen, dass wir uns nicht gegenseitig die Köpfe einschlagen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser sagt später der Hobbes-Freund Lenin.

Auf einer Wiese steht eine Couch, auf der Freud Zigarre rauchend liegt. Dieser Tiefenpsychologe würde uns erklären, dass viele unserer optimistischen Impulse eigentlich nur eine Tarnung für tief sitzende, unterbewusste Ängste sind. Wir sind ständig hin- und hergerissen zwischen unserem Wunsch nach Glück (dem Lustprinzip) und den strengen Regeln unserer Gesellschaft (unserem Über-Ich). In dieser Sicht ist das Leben ein ständiger Kompromiss zwischen dem, was wir wollen, und dem, was wir dürfen. Auf der anderen Straßenseite ist die positive Psychologie bei der Arbeit und sie kann definitiv mehr Heilerfolge vorweisen.

Aber warum mache ich diese Einteilung? Warum setze ich die Philosophen als Optimisten und Pessimisten auf ihre jeweiligen Seiten der Straße? Weil ich Philosophie studiert habe und während meines Studiums nur auf der einen Seite der Straße entlanggeführt wurde, weshalb ich zu einem waschechten Pessimisten wurde? Das macht definitiv keinen Spaß! Erst als ich die andere Straßenseite entdecken durfte, hellte sich mein Leben auf. Wir können auch auf die andere Straßenseite wechseln, aber das tun wir am besten mit viel Humor im Rucksack. Denn wenn wir uns mit Philosophie beschäftigen, müssen wir aufpassen, dass es uns nicht so geht wie dem Philosophen in der Hodja-Geschichte:

Hodja ruderte einen berühmten Philosophen über einen See. Der Mann fragte ihn, ob er etwas von Philosophie verstünde. Hodja: „Nein, dafür habe ich nie Zeit gehabt.“ Darauf der Philosoph: „Ach, das tut mir leid für sie. Da fehlt ihnen ja ihr halbes Leben.“ Nach einer Weile fragte Hodja den Philosophen: „Können sie schwimmen?“ Der Philosoph: „Nein, dafür hatte ich nie Zeit.“ Hodja: „Dann wird ihnen bald ihr ganzes Leben fehlen. Der Kahn hat ein Loch. Wir sinken.“